Das Saisonthema

Saison 2020/2021

moderne Tradition

Das Saisonthema der Kammerakademie Potsdam führt mitten hinein in das Spannungsfeld von Moderne und Tradition. In den Konzertprogrammen und Interpretationen richten wir den Fokus auf das bahnbrechend Neue und „Unerhörte“ oftmals nur vermeintlich vertrauter Werke des 17. bis 19. Jahrhunderts, während sowohl das Neuartige als auch das Anknüpfen an die Tradition in den Werken der Moderne im Zentrum steht. Zum Konzertkalender

Der diesjährige Artist in Residence Jörg Widmann steht mit seinem künstlerischen Schaffen als Komponist, Dirigent und Klarinettist auf beiden Seiten: Seine eigenen, innovativen Kompositionen fußen stets auf der Tradition, und als Interpret bereits existierender Werke lässt er diese gegenwärtig, heutig, sprich „modern“ werden. Im Sinfoniekonzert ist er mit seinen Kompositionen und Werken von Mendelssohn und Weber zu erleben (17. Oktober 2020). Den Herausforderungen von Widmanns Trompetenkonzert „ad absurdum“, einer ins fast Unspielbare gesteigerten Hommage an das virtuose Solokonzert, stellen sich Michael Sanderling und Gábor Boldoczki (13. Februar 2021), und im April 2021 beleuchten Mitglieder der KAP und Jörg Widmann sein umfang- und beziehungsreiches Kammermusikschaffen (24. April 2021).

Geliebt und verflucht, gefürchtet und verehrt wurde zeit seines Lebens Ludwig van Beethoven. Gegenüber seiner Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ (17. April 2021) war ein Kritiker der Wiener „Zeitung für die elegante Welt“ gnädig und schrieb von einer „ganz vorzüglichen Originalität“, durch welche Beethoven „freilich öfters seinen Zuschauern den Reiz sanfter gefälliger Harmonien entzieht.“ Drei Jahre später ging ein Kritiker desselben Blattes mit Beethovens zweiter Sinfonie ungleich härter ins Gericht. Sie sei „ein krasses Ungeheuer, ein angestochener, sich unbändig windender Lindwurm, der nicht ersterben will und selbst verblutend im Finale noch mit aufgerecktem Schweife wütend um sich schlägt.“ Beim zweiten Sinfoniekonzert werden die KAP und ihr Chefdirigent Antonello Manacorda diesen „wilden“ Beethoven aufleben lassen (5. Dezember 2020).

Einige Jahrzehnte zuvor wäre ein revolutionärer Kopf wie Beethoven vielleicht weniger kontrovers aufgenommen worden. Das alles auf den Kopf stellen wollende „Genie“, das unbedingt die „alten Zöpfe“ abschneiden wollte, war das Maß aller Dinge. Kaum jemand steht so sehr für diesen Innovationsgeist wie die Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Johann Christian Bach, deren Instrumentalwerk sich die KAP gemeinsam mit Trevor Pinnock widmet (21. März 2021).

Für seine „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ aus dem Jahr 1936 nannte der Komponist Béla Bartók als Vorbilder Bach, Beethoven und Debussy. Bartók, der die Musiksprache des 20. Jahrhunderts aus dem Geist der Volksmusik heraus erneuerte, gelang in dieser Komposition eine Synthese verschiedenster Stile. Dieses Schlüsselwerk der Moderne lässt Antonello Manacorda auf Werke von Igor Strawinsky und Maurice Ravel treffen, zwei Komponisten, die im selben Maße wie Bartók für Kontinuität und Neuerung zugleich stehen (5. Juni 2021).

Saisonbuch der Kammerakademie Potsdam

Die Gestaltung des Saisonbuchs greift ebenfalls das Saisonthema auf: Piet Mondrians ab 1920 entstandene neoplastizistische Gemälde beeinflussten Kunst, Architektur, Mode und Design des 20. Jahrhunderts maßgeblich. Dabei blieb Mondrian stets der Tradition verhaftet, verstand er seine Gemälde doch als bis auf deren Kern hin abstrahierte Abbilder der Natur, welche einen jeden Künstler aller Zeiten inspiriert habe.

Kammerakademie Potsdam Saison 2020/2021 Cover Saisonbuch

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