Offener Brief der Brandenburger Kulturakteure: Kein Lockdown für die Kultur!

28. Oktober 2020

Wir, Vertreterinnen und Vertreter aus Kunst und Kultur in Brandenburg, unterstützen alle Maßnahmen die dazu beitragen, die Ausbreitung der Corona-Pandemie in einem beherrschbaren Rahmen zu halten. Wir wenden uns entschieden gegen alle, die die Pandemie verharmlosen oder politisch instrumentalisieren.

Theater und Musikensembles, Museen und Festivals sind in den vergangenen Monaten auch in Brandenburg außerordentlich verantwortungsvoll mit der schwierigen Situation umgegangen. Sie haben gezeigt, dass sie alle Hygiene-Vorgaben penibel einhalten können. Uns ist kein einziger Fall bekannt, in dem eine Covid-Infektion auf den Besuch einer Kulturveranstaltung zurückzuführen ist. Die Landesregierung ihrerseits hat besonnen reagiert und nicht nur den engen Kontakt mit den Kultureinrichtungen gesucht, sondern auch deren Interessen sehr weitgehend berücksichtigt.

Deshalb bitten wir die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, auf Maßnahmen zu verzichten, die dazu führen würden, Kulturveranstaltungen weiter zu erschweren bzw. faktisch unmöglich zu machen. So problematisch die wirtschaftliche Situation gerade im Bereich der freien Kultur auch ist – uns geht es dabei nicht ums Geld. Wir sind der Überzeugung, dass der Mensch Kultur und soziale Begegnung braucht. Digitale Angebote können das auf Dauer nicht ersetzen.

Kunst und Kultur haben in den letzten Wochen und Monaten im Wortsinne sichere Räume geschaffen. Wir haben unsere Lüftungssysteme modernisiert, die Wegeführungen optimiert und die Zahl der Plätze im Publikum radikal reduziert. Wir können mit gutem Gewissen sagen: Fast überall außerhalb der eigenen vier Wände ist es riskanter sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten, als in unseren Einrichtungen. Unter Einhaltung der allgemeingültigen Hygienestandards, sollte jedes Haus/Theater die sich daraus ergebenden zulässigen Zuschauerkapazitäten ausschöpfen dürfen. Das starre Verordnen von 100-150 Zuschauern für JEDES Haus muss zu Gunsten individueller Lösungen aufgehoben werden.

Ein faktisches Verbot von Kulturveranstaltungen (Lockdown) schützt nicht vor Corona, sondern treibt die Menschen zu Begegnungen in privaten, riskanteren Räumen. Das dürfen wir nicht zulassen. Deshalb unser Appell: Lassen Sie uns bei den strikten Regeln bleiben, die schon heute gelten. Sie bieten einen bestmöglichen Schutz.

 

Sabine Chwalisz, Sven Till, fabrik Potsdam

Achim Trautvetter, FreiLand

Bettina Jahnke, Bettina Jantzen, Petra Kicherer, Hans-Otto-Theater Potsdam

Alexander Hollensteiner, Kammerakademie Potsdam

Tuulia Faber, Werner Ruhnke, Kunsthaus sans titre

Heike Bohmann, Michael Dühn, Musikfestspiele Sanssouci und Nikolaisaal Potsdam

Jens-Uwe Sprengel, T-Werk

Mathias Paselk, Waschhaus