Steven Isserlis

Artist in Residence

Ein sonorer Klang, sehr warm und vornehm. Die Pausen beredt, nachschwingend. Ganz versteckt ein erlesener, humoristischer Unterton. Wenn man mit Steven Isserlis spricht, klingt sein Instrument gleich mit. Der britische Cellist, der mit seiner schönen Stimme auch im Radio als Gastmoderator tätig ist, und der als Kinderbuchautor Reisen in die Musikgeschichte unternimmt, wird die Kammerakademie Potsdam in der Saison 2018/19 als Artist in Residence begleiten. 2005 war er bereits einmal zu Gast in Potsdam. Da spielte der Lockenkopf, der 1998 als Commander des Order of the British Empire (CBE) ausgezeichnet wurde, Haydns Cellokonzert C-Dur.

 

Erinnern Sie sich an Ihre erste Zusammenarbeit mit der KAP im Dezember 2005?

Ja, ich erinnere mich sehr gut. Ich merkte sofort, was für ein feines, stilistisch versiertes Ensemble es ist. Ich freue mich auf das Wiedersehen! Und auf meinen lieben Freund Antonello Manacorda, mit dem ich zwischenzeitlich einige Male auftrat. Als ich ihn das letzte Mal sah, leitete er Berlioz’ Oper „Béatrice et Bénédict“ in Glyndebourne. Es war wunderschön.

Haben Sie auch eine Erinnerung an die Stadt Potsdam?

Mein erster Eindruck war, wie schön und historisch diese Stadt ist. Ich habe einmal ein Recital in der Neuen Orangerie gegeben und war ganz aufgeregt, als ich erfuhr, welche Verbindungen Boccherini und Beethoven mit Potsdam hatten. Hier gibt es so viele spannende Geschichten.

Bei der „Kammermusik im Foyer“ werden Sie unter anderem Beethovens „Gassenhauer-Trio“ op. 11 interpretieren. Wird das Publikum mitpfeifen oder mitsingen?

Das liegt ganz am Publikum, wie es sich entscheidet (schmunzelt). Es ist jedenfalls ein ganz wundervolles Trio. Das ist Beethoven in einem seiner seltenenäußerst relaxten und lebensfrohen Momente.

Sie werden außerdem beide Cellokonzerte von Camille Saint-Saëns aufführen. Welches ist schwieriger zu spielen?

Sie sind sehr verschieden. Wie seine beiden Cellosonaten, die er im Abstand von 30 Jahren schrieb, wobei die zweite Sonate wesentlich experimenteller ist. Ich denke, dass das zweite Cellokonzert technisch schwieriger zu spielen ist – aber beide haben ihre Herausforderungen! Ich liebe sie beide gleichermaßen.

Wenn Sie ein Alien treffen würden, auf dessen Heimatplaneten Musik völlig unbekannt ist: Wie würden Sie dem Fremden erklären, was Musik ist?

Ich würde ihm was vorspielen. Danach kann ich ihm vielleicht erklären, was er gerade gehört hat. Oder besser: Ich würde ihn fragen, welches Gefühl er dabei hatte.

Was wäre das beste Stück, um ihn zum Lächeln zu bringen?

Eine Suite von Bach! Diese Werke sind pure Emotion, voller Freude; nur weniges fällt in tragische Abgründe. Man erfährt, was mit dem Wort „Seele“ gemeint sein könnte. Ich kann zeigen: So ist das Leben auf unserem Planeten. Vielleicht wird er erkennen, dass es so etwas wie die universelle Sprache gibt, welche Emotionen Menschen haben können in der einfachsten, ursprünglichsten Form.

Würden Sie dem Alien auch Ihr Cello geben, damit er selbst die Erfahrung machen kann?

Nur dann, wenn er Hände hat, die das gute Stück nicht zertrümmern! (lacht) Aber das hängt wohl von der jeweiligen Spezies ab. Mit der Anatomie von Aliens kenne ich mich nicht so gut aus.

Letzte Frage, wo wir schon im Universum unterwegs sind: Wenn Sie eine Zeitmaschine wie Dr. Who hätten, in welche Epoche würden Sie reisen?

Wahrscheinlich in das Viktorianische Zeitalter. Ich würde aber auch gerne Bach treffen, zu seiner Zeit in Leipzig. Und Mozart würde ich gerne treffen, wenn er eines seiner Konzerte gerade zur Uraufführung bringt. Und Beethoven zuhören, wie er mit Explosivität und Genialität improvisiert. Und Schumann würde ich gerne treffen. Ich meine: wirklich treffen! Und mit diesem Freund lange reden und diskutieren. Es gibt so viele Fragen … Die erste wäre eine naheliegende und ganz praktische Frage für mich und mein Instrument: Wo verdammt sind die Manuskripte der Celloromanzen? Die hat Clara ja wahrscheinlich nach Schumanns Tod verbrannt. Könnte ich doch nur einen Blick darauf werfen!

Biografie Steven Isserlis