Antoine Tamestit

Artist in Residence

Antoine Tamestit, Artist in Residence

Tiefgründigkeit, natürliche Musikalität und unvergleichliches technisches Können verbunden mit einem ausdrucksstarken und farbenreichen Bratschenton – wenn vom französischen Bratschisten Antoine Tamestit die Rede ist, geraten viele ins Schwärmen. Im Januar 2018 war er das erste Mal bei der KAP zu Gast. Auf Anhieb waren er und das Orchester auf einer Wellenlänge. Die Einladung, Artist in Residence der KAP in der Saison 2019/20 zu werden, nahm er ohne zu zögern an. Wie sieht er das Verhältnis von „Ich“ und „Wir“ – von Solist und Klangkörper?

 

Als Solist stehst du vor dem Orchester, neben dem Dirigenten. Bilden alle drei zusammen eine große Einheit, oder stechen aus dieser Einheit Individuen hervor?

Ein Orchester, auch mit Solist, ist eigentlich eine große Kammermusikgruppe. Der Dirigent hat eine etwas hervorgehobene Stellung. Er ist der Treffpunkt, was gerade bei größeren Orchestern sehr wichtig ist, wenn man eine weite Distanz zu den Holzbläsern und Blechbläsern oder eine umfangreiche Streicherbesetzung hat. Man braucht dann den Dirigenten, der alles vereint. Auf ihn verlassen wir uns auch, was musikalische Entscheidungen angeht. Er übermittelt uns seine Vorstellungen vom Stück und dessen Interpretation, und wir folgen.

Bei einem Stück wie Brittens „Lachrymae“ oder Hindemiths „Trauermusik“ bist du Solist und Musikalischer Leiter zugleich. Was für Auswirkungen hat das auf die Interaktion mit dem Orchester?

Hier muss man wirklich wie eine Kammermusikformation zueinander finden. Man hat nicht die großen Zeichen des Dirigenten, sondern achtet und reagiert auf Körpersprache der anderen, man atmet zusammen, sucht Augenkontakt, versteht zusammen die Musik. Jeder Einzelne muss mit dem ganzen Körper agieren.

Du planst einen Meisterkurs mit den Stipendiaten von KAPcampus, wo ihr euch ebenfalls dieser Doppelfunktion als Solist und Musikalischer Leiter widmen werdet. Was werden die jungen Musikerinnen und Musiker lernen?

Ich hoffe, dass sie genau das lernen werden, was die KAP ausmacht: Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen nicht denken, dass sie, nur weil sie in einer großen Gruppe sind, weniger aktiv sein müssen. Sie müssen die Partitur kennen, nicht nur ihren eigenen Part. Wir werden die Spieler einzeln anschauen und analysieren, welche Rolle sie in einem bestimmten Moment haben: Welches ist gerade die führende Stimme? Brauchen wir genau von dir einen Auftakt, musst du uns in dem Moment zeigen, wie wir anderen spielen sollten?

Bei deinem ersten Konzert innerhalb der Residenz wirst du Hindemiths „Schwanendreher“ spielen. Warum gehört dieses Werk zu den beliebtesten Bratschenkonzerten?

Zunächst, weil Hindemith die Art und Weise, wie Musik für Bratsche komponiert wurde, veränderte – er ist der Paganini für die Bratsche. Daneben ist der „Schwanendreher“ recht leicht zu verstehen, weil er auf Volksliedern basiert, die viele Leute auch heute noch kennen. Die Melodien gehen gut ins Ohr. Gleichzeitig gibt es aber auch noch die Dimension des sehr starken politischen Hintergrunds; ein militärischer Rhythmus schleicht sich zunächst unauffällig hinein und wird dann geradezu obsessiv. Aber Hindemith findet immer einen Ausweg aus dieser Obsession, und der zweite Satz ist einfach einer der schönsten Sätze aller Bratschenkompositionen.

Welches ist dein Lieblingskonzert: Hindemith, Walton oder Bartók?

(lacht) Ich sollte wohl Hindemith antworten, weil ich es in Potsdam spielen werde. Ich liebe sie alle drei, aber Hindemith ist wirklich besonders wichtig für die Bratsche.

Biografie Antoine Tamestit

Pressestimmen

„Zwischen Antoine Tamestit und der Kammerakademie Potsdam stimmt die Chemie.“

Concerti (Corina Kolbe)

„Wie selbstverständlich wusste Antoine Tamestit die Phrasen und Kantilenen zu formen. Berückend schön gelang das feine Miteinander von Bratsche und Harfe (…) und man bewunderte die hinreißende Virtuosität Tamestits. Das Finale des ,Schwanendrehers‘ klang daher brillant.“

Potsdamer Neueste Nachrichten (Klaus Büstrin)

Konzerte mit Antoine Tamestit

Sa, 14.09.2019, 19.30 Uhr
Sinfoniekonzert Klangpoeten

Fr, 20.12.2019, 19.00 Uhr
Musikalischer Salon Widmung 

Sa, 25.04.2020, 19.30 Uhr
Konzert in der Friedenskirche Traditionslinien